Erinnerung an Befreiung, Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit
Am 12. April kamen zahlreiche Besucherinnen und Besucher in den Kampstüh, um am Rundgang von Uwe Otte durch die ehemalige Heeresmunitionsanstalt (Muna) Lehre teilzunehmen. Bürgermeister Andreas Busch begrüßte die Teilnehmenden und wies auf die Bedeutung der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit hin.
Auf den Tag genau vor 80 Jahren hatten US-Soldaten die Muna Lehre von der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten befreit. Lehre war bereits am Tag zuvor befreit worden. Am 12. April 1945 erreichten zwei amerikanische Panzer das Muna-Gelände. Sie richteten ihre Kanonen auf die Muna-Einfahrt und besetzten die Rüstungsfabrik kampflos. Alle Einwohner mussten vor dem Wachgebäude antreten und die Anordnungen der Amerikaner entgegennehmen. Unter anderem durfte das Muna-Gelände nicht mehr betreten werden. In einem der Wohnhäuser richteten die Amerikaner ihr Hauptquartier ein.
Die Besucherinnen und Besucher erfuhren beim Rundgang, dass die Muna eine Größe von rund 200 Hektar besaß, und damit zu jener Zeit flächenmäßig größer als der Ort Lehre war. Auf dem Gelände befanden sich rund 140 Gebäude, darunter 92 Munitionsbunker. Ein Bunker konnte von außen besichtigt werden: Er dient heute Fledermäusen als Unterkunft. Im Mai 1947 – zwei Jahre nach Kriegsende - kam es bei der Munitionsräumung unter Aufsicht der britischen Besatzungstruppen zu einem schweren Explosionsunglück: Das Munitionsarbeitshaus 1 wurde zerstört, dabei starben 12 Menschen. Während des Zweiten Weltkriegs waren rund 1200 Menschen in der Muna tätig. Darunter bis zu 400 sowjetische Kriegsgefangene. Mindestens 19 von ihnen überlebten die Zwangsarbeit nicht. Nach Aussagen von Zeitzeugen sahen die sowjetischen Kriegsgefangen „erbärmlich“ aus.
Zum Abschluss des Rundgangs wurden die Biographien von zwei Kriegsgefangenen vorgestellt: Akaissar Jussopow kam im September 1943 in die Muna. Er starb am 15. Juni 1944 im Reservelazarett Wolfenbüttel. Dort herrschten katastrophale medizinische und hygienische Bedingungen. Pawel Schalajew kam im Juni 1942 in die Muna. In seiner Personalkarte heißt es unter dem Datum vom 16. August 1942 lapidar: „Verstorben: 10 Uhr“. Er liegt auf dem Friedhof in Lehre begraben.
Übrigens: Der erste Muna-Rundgang fand im April 2015 statt: Somit werden die Rundgänge seit genau 10 Jahren angeboten. Sie sind ein Baustein gegen das Vergessen und zur Umsetzung des „Nie wieder!“