Gemeinsames Zeichen der Erinnerung und Menschlichkeit

Am Schloss Wendhausen wurde kürzlich ein neuer Erinnerungsort geschaffen: Im Rahmen einer kleinen Gedenkfeier enthüllte der Künstler Denis Stuart Rose an der Schlossmauer sein Bronzerelief von Hans Tepelmann, der in Wendhausen lebte und ein Opfer der Euthanasiemorde des NS-Regimes war. Neben den Initiatoren und Gästen waren auch einige der Spenderinnen und Spender anwesend, welche das Kunstwerk durch ihre finanzielle Unterstützung erst ermöglicht haben.

„Wir setzen heute hier gemeinsam ein Zeichen der Erinnerung und der Menschlichkeit“, erklärte Edelgard Hahn, zweite Stellvertreterin des Gemeindebürgermeisters bei der Enthüllung. Sie dankte dem Künstler Denis Stuart Rose, der mit seiner Bronze Hans Tepelmann wieder ein Gesicht gegeben habe, und betonte: „Das Schicksal von Hans Tepelmann steht hier stellvertretend für das vieler Menschen, die damals das gleiche Unrecht erleiden mussten“.

Hans Tepelmann wohnte damals in Wendhausen und war plötzlich von einem auf den anderen Tag verschwunden, wie eine Zeitzeugin berichtete. Aufgrund einer geistigen Beeinträchtigung kam er in die Landes Heil- und Pflegeanstalt in Königslutter. Am 12. Juni 1941 wurde er von dort mit einem Transport in die NS-Tötungsanstalt Bernburg gebracht und am selben Tag dort ermordet.

Da heutzutage die Zeitzeugen immer weniger werden, müssen neue Formen der Erinnerungskultur gefunden werden – wie mit diesem Kunstwerk, erklärt Dr. Regine Meyer-Arlt, Pressesprecherin der Westermannverlagsgruppe. Der heutige Braunschweiger Westermann Verlag ist eng mit der damaligen Verlegerfamilie Vieweg-Tepelmann verbunden, der damals in Wendhausen das Gut mit dem Schloss sowie eine Papierfabrik gehörte. Hans Tepelmann war der einzige Sohn von Helene Tepelmann, der Urenkelin Friedrich Viewegs. So findet sich auch das Grab von Hans Tepelmann auf dem Braunschweiger Magnifriedhof in der Familiengrabanlage Campe-Vieweg-Westermann. Dort ließ der Westermann Verlag vor einigen Jahren eine Infotafel für Hans Tepelamnn aufstellen und unterstütze auch die Umsetzung des Bronzereliefs finanziell.

Der einstige Wendhäuser Pastor Thomas Capelle ist neben Uwe Otte Initiator dieses neuen Erinnerungs- und Gedenkortes. Er unterstrich in seiner Ansprache, dass „dieses Kunstwerk auch als Mahnung dient und die Erinnerung an die Verbrechen der NS-Zeit nicht unterdrückt werden darf.“ Er richtete seinen Dank an den heutigen Schloßeigentümer Carsten Henze, für dessen Unterstützung und die Idee zur Umsetzung des Mahnmals durch den Künstler Denis Stuart Rose.

Uwe Otte, der sich seit vielen Jahren für die Aufarbeitung und Erinnerungsarbeit der NS-Zeit in der Gemeinde Lehre engagiert, erläutert die Hintergründe: „Wir versuchen Hans Tepelmann mit diesem Erinnerungsort seine Würde und sein Menschsein wiederzugeben“. Außerdem wird es für Hans Tepelmann auch einen sogenannten „Stolperstein“ vor dem Schloss geben. Uwe Otte dankte allen Spenderinnen und Spendern ohne die das Projekt nicht möglich gewesen wäre.

Leider sind die Kosten für das Relief aber noch immer nicht gedeckt. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann sich per E-Mail an kaemmerei@gemeinde-lehre.de wenden und erhält dort alle weiteren Informationen.