Wettbewerb "Naturnahe Gärten"
Der von der Gemeinde Lehre erstmals im Rahmen der Umweltwoche 2025 ausgerufene Wettbewerb „Naturnahe Gärten“ war ein voller Erfolg. Es gab zahlreiche Bewerbungen und nachdem die fünfköpfige Jury im Sommer die Gärten der Endrunde besichtigt hat, wurden im September die Gewinnergärten bekanntgegeben.
Nach dem erfolgreichen Wettbewerb „Naturnahe Gärten“ der Gemeinde Lehre, stellen wir jeden Garten aus der Finalrunde vor. Die Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner berichten über die Ideen hinter Ihrer Gartengestaltung und zudem gibt es noch Anregungen und Ideen für die eigene naturnahe grüne Oase vor der Haustür.
Die Gärten
Der "Leichte Garten"
Der Garten wurde vom Ehepaar Deborah und Florian Leicht seit 2017/2018 in Eigenleistung gestaltet und als Imker liegt ihnen der Schutz bestäubender Insekten besonders am Herzen. In ihrem Garten leben neben Honigbienen auch zahlreiche Wildbienen, Hummeln, Hornissen, Vögel und andere Tiere.
Ein Pflanztipp von Deborah Leicht: „Um den Insekten auch nach den großen Blühphasen im Frühjahr und Frühsommer ausreichend Nahrung zu bieten, haben wir bewusst auf spätblühende Stauden und Gehölze gesetzt. So bleibt der Garten bis in den Spätsommer hinein ein wertvoller Lebensraum und eine bunte, lebendige Oase.“ Der Garten zeichnet sich durch eine naturnahe Gestaltung mit vielfältigen Strukturen aus. Ein Großteil des Grundstücks ist mit einer Totholzhecke oder Benjeshecke eingefasst und bietet so Schutz für zahlreiche Tierarten. Ein kleiner Teich stellt eine wichtige Wasserquelle dar und schafft Lebensraum für Amphibien, Insekten und Vögel.
Ergänzend sorgen Totholzstrukturen für Verstecke und Nahrung für Kleintiere und Insekten. Zudem gibt es mehrere Nistkästen für Schwalben, Mauersegler und Meisen sowie Nistbereiche die Wildbienen geeignete Brut- und Rückzugsorte bieten. „Selbst über die Mauselöcher im Rasen sind wir dankbar, denn hier nisten gerne verschiedene Hummelarten“, berichtet die Gartenliebhaberin erfreut.
Der Garten ist nicht nur Lebensraum für Tiere, sondern auch ein wichtiger Ort der Erholung für den Menschen. „Mein Garten ist für mich aber vor allem auch Ausgleich zu meiner Arbeit als Palliativ-Krankenschwester. Hier kann ich abschalten, zur Ruhe kommen oder einfach vor mich hinarbeiten und dabei den Kopf frei bekommen“, erzählt Deborah Leicht.
Wildes Insektenparadies
„Ich habe mich für den Wettbewerb „Naturnahe Gärten“ beworben, weil ich fand, dass mein Garten recht wild aussah und damit das Kriterium „naturnah“ erfüllen sollte. Da ich den eigentlichen Nutzgarten dieses Jahr nicht bewirtschaften konnte, entstand aus diesem Gartenteil eine "Wildnis", die Unmengen an Insekten anzog“, berichtet Hans-Jürgen Niebuhr.
Unter den neuen Gartenbewohnern konnte er insgesamt 96 Insektenarten identifizieren, darunter befanden sich etwa die blauschwarze Holzbiene, die dunkle Erdhummel, die braunbrüstige Hosenbiene, die keusche Kuckuckshummel, die gelbbindige Furchenbiene und der Bienenwolf.
In seinem Garten wachsen rund 47 verschiedene Pflanzenarten, wobei Bäume und Sträucher nicht eingerechnet sind. Diese Vielfalt entsteht auf ganz natürliche Weise, denn „In meinem Garten ist kaum etwas gepflanzt. Ich bringe nur selbst gewonnenes Saatgut aus und schaue, was sich daraus entwickelt. Frei nach dem Motto: ‚Was hier wächst, das gehört auch hierhin und darf bleiben‘“, erklärt er seine Vorgehensweise.
So wächst die Anzahl klimaresistenter Pflanzen im eigenen Garten ganz von alleine: Wegwarte, Wilde Möhre, Nachtkerze, Distel und Mohn haben durch ihre Pfahlwurzeln einen Vorteil gegenüber anderen Pflanzen, weil sie auch bei Trockenheit noch Feuchtigkeit aus tieferen Bodenschichten ziehen können.
Unter seinen Eiben legt Hans-Jürgen Niebuhr jeden Herbst einen Laubhaufen an, wo Insekten und auch Igel einen Unterschlupf finden. Zudem hat er einen Holzstapel aus schon mürbem Meterholz für holzbrütende Insekten angelegt und die blauschwarze Holzbiene hat diese Brutstätte schon dankend angenommen. Auch seine selbst gebaute Bienen-Nisthilfe ist jedes Jahr voll belegt und die Insekten tragen so zur Bestäubung der Obstbäume, Beerensträucher und natürlich der Wildblumen bei.
„Meine Philosophie dahinter lautet ‚Manchmal ist weniger mehr‘. Einheimische, ausgesäte Pflanzen kommen mit den Wetter hier besser klar als gepflanzte Arten. Und Ich muss in Trockenperioden weniger oder gar nicht Gießen“, beschreibt Hans-Jürgen Niebuhr den Vorteil für Mensch und Natur.
Zum Schluss hat der Hobbygärtner noch einen einfachen Tipp: „Die abgeblühten Wildblumen über den Winter einfach stehen lassen. Die Insekten werden es euch danken, denn viele Insekten überwintern an oder in den Pflanzenstängeln.“
Eine Heimat für Tiere und Pflanzen
Wettbewerbsteilnehmerin Karin Noodt stellt ihren tierfreundlichen Garten in Flechtorf vor:
„Ich habe mich über den Wettbewerb für mehr Artenvielfalt durch naturnahe Gärten gefreut. Unser 750 Quadratmeter großer Hausgarten soll Lebens- und Rückzugsort für viele Pflanzen, Tiere und Pilze sein als Gegenentwurf zu Schottergärten und Rasenwüsten. Er ist pflegeleicht, hitzeresistent und für uns eine Quelle der stetigen Freude“, erklärt Karin Noodt aus Flechtorf, deren Hobby schon seit Kindertagen die Tier- und Naturbeobachtung ist.
„Auch den Wildschweinen, die uns im Spätsommer einen Besuch abgestattet und den Rasen ‚vertikutiert‘ haben, gönnen wir ein paar fette Engerlinge. Und dem Igel und den Amseln überlassen wir gerne das Fallobst. Es ist genug für alle da“, berichtet die Naturliebhaberin weiter.
Bereits von Beginn an haben die Eheleute Noodt bei der Gartengestaltung darauf geachtet, heimische Pflanzen auszuwählen, die nicht nur ihnen, sondern auch der Tierwelt Nahrung bietet.
Die Hecken in ihrem Garten bestehen aus heimischen, schnittverträglichen Gehölzen. Dazu gibt es einen Apfel- und einen Zwetschgenbaum sowie mehrere Beerensträucher, die durch ihre Blüten und Früchte viele Tiere anlocken. „Inklusive Waschbären, die den Zwetschgenbaum zuletzt komplett in einer Nacht abgeerntet haben“, wie die Tierfreundin mit einem Schmunzeln erzählt.
Auf den Beeten blüht eine wilde Mischung aus blütenreichen Wildblumen und größtenteils mehrjährigen Stauden, die Nahrung für allerlei Insekten bieten und sich auch teils spontan angesiedelt haben. Vom frühen Frühjahr bis zum Spätherbst blühen immer Pflanzen, die in Form von Blüten oder Samen Nahrung für viele Tiere bieten.
Die „Grünfläche" wird nur selten gemäht, teilweise nur ein bis zweimal pro Jahr und ist eine echte Wildwiese mit Blühinseln.
Es sind Nistkästen für Stare, Meisen, Halbhöhlenbrüter, Spatzen, Mehl- und Rauchschwalben angebracht, die fast alle jährlich genutzt werden. Auch das Insektenhotel ist gut besucht. Es gibt ein Natursteinmäuerchen und mehrere Totholzhaufen sowie einen Komposthaufen mit einer Brennesselecke als Nahrung für Schmetterlingsraupen. Im Winter bekommen die Vögel Futter und im Sommer nutzen diese die Vogeltränke und das Sandbad.
„Ganz bewusst möchten wir auf unserem Grundstück vielen verschiedenen Pflanzen und Tiere eine Heimat bieten“, fasst Karin Noodt ihr Konzept zusammen. Vom Preisgeld für den dritten Platz im Gartenwettbewerb planen die Eheleute Noodt einen Mini-Gartenteich anzulegen.
Naturnahe Gärten prämiert
-
Bild: © Gemeinde Lehre
-
Bild: © Gemeinde Lehre
-
Bild: © Gemeinde Lehre
-
Bild: © Gemeinde Lehre
-
Bild: © Gemeinde Lehre
Bürgermeister Andreas Busch besuchte gemeinsam mit Eike Guhl vom Fachbereich 50, die den Wettbewerb seitens der Verwaltung organisiert hat, die Gärtnerinnen und Gärtner vor Ort in ihren grünen Oasen und überreichte die Preise.
„Schön, dass der Gartenwettbewerb gleich bei der Premiere so gut angenommen wurde. Als ,Global Nachhaltigen Kommune‘ möchten wir so die Artenvielfalt fördern und ein größeres Bewusstsein für den Artenschutz in unserer Gemeinde schaffen“, erklärt Bürgermeister Andreas Busch die Hintergründe des Wettbewerbs.
„Es gab insgesamt 17 Bewerbungen, von denen rund 10 vor Ort besichtigt wurden“, berichtet Eike Guhl, die neben dem gemeindlichen Klimaschutzmanager Phil Kühnholz, Britta Steinhaus vom BUND, Marc Böhles von der Stiftung Naturlandschaft und Rochus Jonas von der Ortsgruppe Lehre des FUN Hondelage, auch Teil der Jury war. Die höchste Punktzahl bekam der Garten von Deborah und Florian Leicht aus Klein Brunsrode. Das Preisgeld in Höhe von 250 Euro „wird natürlich wieder in den Garten investiert wird“ wie die Gewinnerin freudig berichtet. Ihr Garten hat die meisten Kriterien erfüllt, für welche die Jury im Bewertungskatalog festgelegte Punktzahlenvergeben hat. Dabei sollte ein solcher naturnah gestalteter Garten etwa durch viele insektenfreundliche Pflanzen auszeichnen, die vielfältige Lebensräume für heimische Tiere bieten. In Leichts Garten findet man dazu auch eine Totholzhecke, diverse Wasserquellen für Amphibien, Insekten und Vögel sowie mehrere Nistkästen für Schwalben, Mauersegler und Meisen und Nistbereiche für Wildbienen. Einen Einblick in ihren Garten gewährt sie auf ihrem Instagramkanal „leichtergarten“.
Die zweithöchste Punktzahl, und damit 150 Euro, erhielt der Garten von Hans-Jürgen Niebuhr aus Beienrode. Karin Noodt aus Flechtorf gewann 100 Euro Preisgeld für ihren naturnahen Garten. Cornelia Lewerdomski aus Lehre und Stefanie Krüger-Liebig aus Essenrode konnten sich über ein Preisgeld von je 50 Euro freuen. Dazu erhielten alle Prämierten ein Holzschild für ihren Garten, das an ihre Teilnahme am Wettbewerb erinnert. Diese umweltfreundlichen Holzschilder wurden in der Werkstatt des Beruflichen Trainingszentrums BTZ in Lehre gefertigt.
„Die Gemeinde Lehre möchte mit dem Wettbewerb eine naturnahe Gartengestaltung unterstützen und dazu anregen, die privaten Gärten mehr und mehr als ‚grünen Lungen‘ in den Ortskernen zu verstehen. Die prämierten Gärten können dabei bestimmt als Inspiration dienen“, so Bürgermeister Andreas Busch. „Eine Wiederholung des Wettbewerbs „Naturnahe Gärten“ ist in Planung – vielleicht mit einem neuen Schwerpunkt“, verkündet Organisatorin Eike Guhl abschließend.
Start des Wettbewerbs
Ein naturnaher Garten mit insektenfreundlichen Pflanzen bietet vielfältige Lebensräume für heimische Tiere.Da darf es auch mal „wilde Ecken“ geben und auch Wasserstellen, Nisthilfen und Trockenmauern helfen den Wildtieren. Zur Förderung solcher Biotope lobt die Gemeinde nun erstmals den Wettbewerb „Naturnahe Gärten“ im Rahmen des Projektes „Global Nachhaltige Kommune“ ,an dem sie seit 2021 beteiligt ist, aus.
„Ich freue mich, dass die Gemeinde mit der Prämierung naturnaher Gärten ein weiteres Vorhaben aus der „Global Nachhaltigen Kommune“ umsetzt. Damit fördern wir nicht nur die Biodiversität, sondern schaffen auch ein größeres Bewusstsein für den Artenschutz in unserer Gemeinde“, erklärt Phil Kühnholz, Klimaschutzmanager der Gemeinde Lehre.
„Menschen, die in unseren Dörfern einen Garten haben, können ein Zeichen für den Schutz der Artenvielfalt und für den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen setzen. Das will die Gemeinde Lehre mit dem Wettbewerb unterstützen und dazu anregen, die privaten Gärten mehr und mehr als ‚grünen Lungen‘ in den Ortskernen zu verstehen“, so Bürgermeister Andreas Busch.
Ein naturnaher Garten ist zudem äußerst pflegeleicht und somit ein Gewinn für Mensch und Tier. Die Gemeinde Lehre hat sich bei der Ausgestaltung bei dem seit Jahren stattfindenden gleichnamigen Wettbewerb der Stadt Helmstedt orientiert. Das Engagement für Artenschutz und Biodiversität der fünf Gewinnergärten wird mit insgesamt 600 Euro Preisgeld belohnt.
Vom 15. April bis zum 31. Mai 2025 haben alle interessierten Menschen, aber auch Vereine, Schulen, Kindertagesstätten sowie andere gemeinnützige Einrichtungen im Gemeindegebiet, die Gelegenheit ihren Garten zur Teilnahme am Wettbewerb einzureichen. Dazu kann man einfach eine E-Mail mit seinen Kontaktdaten und bis zu vier aussagekräftigen Fotos des Gartens an umweltwoche@gemeinde-lehre.de schicken. Gerne können in einer kurzen Beschreibung des Gartens artenschutzfördernde Besonderheiten wie etwa Wasserstellen, Nisthilfen, Trockenmauern aufgezählt werden. Eine Jury mit Vertretern aus Verwaltung, Politik und Umweltverbänden wie der Ortsgruppe Lehre des FUN Hondelage, den Kreisgruppen Helmstedt des BUND und des Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) sowie die Stiftung Naturlandschaft in Königslutter am Elm, trifft aus den allen Einsendungen ein Vorauswahl und nimmt ausgewählte Gärten in Augenschein. Die Prämierung erfolgt dann im Sommer.