Heimisch statt exotisch

Nach dem erfolgreichen Wettbewerb „Naturnahe Gärten“ im letzten Jahr, stellen wir jeden Garten aus der Finalrunde vor. Als letztes berichtet Stefanie Krüger-Liebig über die Besonderheiten ihres Naturgartens in Essenrode.

Als grundsätzliche Motivation für einen Naturgarten, sieht Stefanie Krüger-Liebig Berichte und Studien, durch die sie auf den massiven Insektenrückgang und dessen Konsequenzen für andere Arten wie Vögel, Igel, Fledermäuse aufmerksam wurde. 

„Daher bin ich seit einigen Jahren dabei, meinen Garten konsequent nach den Richtlinien des Naturgarten e.V. auszurichten. Dazu zählt einmal der vollständige Verzicht auf invasive Neophyten. Diese nicht in Deutschland heimischen Pflanzen richten in der freien Natur, gerade in besonders schützenswerten Gebieten, großen Schaden an. Durch ihre Verbreitung verdrängen sie die heimischen Pflanzen und vermindern damit die Biodiversität“, erklärt die Hobbygärtnerin.

Zu den Neophyten gehören etwa Flieder, Schmetterlingsflieder, Lupine und Kirschlorbeer. Zudem achtet sie darauf, dass nicht heimische Pflanzen wie Lavendel, Sonnenhut oder Sonnenbraut in ihrem Naturgarten in der Minderheit sind. Denn „sie bieten lediglich den Generalisten wie Honigbiene und Hummel Nahrung. Unsere Wildbienen sowie die Raupen von Schmetterlingen und Käferlarven sind auf heimische Pflanzen als Futterquelle angewiesen.“

Mit dem Ziel mehr Lebensraum und Nahrung für die immer weiter sinkende Anzahl an Insekten zu schaffen und damit auch die Nahrungsgrundlage für Vögel, Igel & Co. zu verbessern, hat sie die Pflanzen in ihrem Garten nach und nach durch heimische Gewächse ersetzt. 

Zusätzlich wurden in ihrem Garten noch diverse Naturgartenelemente geschaffen wie eine Totholzhecke, ein Gründach auf der Garage, wilde Ecken mit langem Gras, mehrere Wildblumenwiesen, eine Wildgehölzhecke sowie ein Mini-Teich.

Ein Naturgarten hat auch viele praktische Vorteile, da wenig gegossen werden muss, weil heimische Pflanzen am richtigen Standort sehr genügsam sind. Auch die Rasenpflege ist deutlich weniger aufwändig, da Düngen, wöchentliches Mähen und Bewässern im Hochsommer entfallen. 

Mittlerweile sind diverse Wildbienen und andere Insekten in ihrem Garten vertreten und Kröten, Vögel und auch ein Igel haben sich angesiedelt. 

„Nicht jeder mag auf einen reinen Naturgarten umstellen, aber ich kann alle nur ermuntern, zumindest eine Ecke im Garten etwas wilder zu lassen, mit höherem Gras und ein paar Wiesenpflanzen. Das bringt oft mehr als die als insektenfreundlich angepriesenen Pflanzen aus dem Baumarkt“, so Stefanie Krüger-Liebig und ergänzt abschließend „Was ich gerne noch erwähnen möchte, ist der nette und respektvolle Umgang der Nachbarn untereinander. Wir haben alle sehr unterschiedliche Gartenstile, aber tolerieren doch die Ideen des anderen ohne Kritik.“