US-Truppen befreien am 12. April die Muna und Lehre am Tag zuvor
Als ein Zeichen gegen das Vergessen findet am Sonnabend, 15. April, ab 14.30 Uhr eine Führung auf dem Gelände der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt (Muna) Lehre statt. Treffpunkt ist am 15. April die Einfahrt zur Muna. Diese befindet sich im Kampstüh an der Kreisstraße nach Boimstorf, rund einen Kilometer hinter Lehre und ist inzwischen ausgeschildert. Der Rundgang wird etwa 90 Minuten dauern. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Mit dem Rundgang auf dem ehemaligen Muna-Gelände soll an die Geschehnisse zwischen 1933 und 1945 erinnert werden. Uwe Otte wird berichten, welche Funktion die heute noch stehenden Gebäude vor 78 Jahren hatten. Außerdem will Otte, der ehemalige Ratsherr befasst sich seit mehr als 30 Jahren mit der Muna-Geschichte, darüber informieren, wie es gelang, von 18 sowjetischen Kriegsgefangenen, die die Zwangsarbeit nicht überlebten, die Personalkarten zu bekommen und Informationen daraus vorstellen.
Die Muna Lehre lieferte beispielsweise große Mengen Munition für den Überfall auf Polen am 1. September 1939. Bei den Munas handelte es sich um staatliche Rüstungsbetriebe, deren Aufgabe es war, Kampfmittel und Munition zusammenzusetzen und zu lagern. Auf dem rund 200 Hektar großen Muna-Gelände entstanden etwa 140 Gebäude – darunter 92 Bunker. Damit war die Muna zu jener Zeit flächenmäßig größer als der Ort Lehre.
In der Muna waren mehrere Hundert Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im Einsatz, darunter bis zu 400 sowjetische Kriegsgefangene und etwa 100 sowjetische Frauen. Insgesamt waren in der Muna während des Krieges etwa 1.200 Menschen tätig. Truppen des 8. US-Infanterieregiments befreiten am 12. April 1945 die Muna Lehre von der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten. In einem der Wohnhäuser richteten die Amerikaner anschließend ihr Hauptquartier ein. Lehre war bereits am Tag zuvor von den US-Truppen befreit worden.
Im Sommer 1945 übernahmen die Briten als zuständige Besatzungsmacht die Muna. 1946 kam sie auf eine Liste von zehn derartigen Munitionsanstalten, die zerstört werden sollten. Vernichtet wurden dann aber 1947 nur die Materialien und Geräte, die zur Herstellung der Munition gedient hatten. Bis zu ihrem Abzug im Februar 1951 sprengten die Briten Munition aus der Muna auf der „Neuen Wiese“. Die Räumung der letzten Rüstungsaltlasten auf dem ehemaligen Muna-Sprengplatz findet zurzeit statt. Auch daran wird bei dem Rundgang erinnert.