Jubiläum: Lehre gehört seit 50 Jahren zum Landkreis Helmstedt
„Seit dem 1.3.1974 besteht der Landkreis Helmstedt in seiner heutigen Form. Doch was ihn ausmacht, sind die Menschen, die hier leben, arbeiten und sich einbringen und schlussendlich diesen Landkreis zu dem machen, was er ist: lebens- und liebenswert! Die Gemeinde Lehre ist für den Landkreis ein Gewinn mit all seinen Menschen und Facetten!“, beschreibt Landrat Gerhard Radeck das Verhältnis von Lehre und dem Landkreis.
Lehres besondere geografische Lage ist nur ein Punkt, warum die Zuordnung zum Landkreis Helmstedt damals zu Zeiten der Gebietsreform, bei den Menschen der Gemeinde nicht unumstritten war. Auch heute noch spielt sie eine Rolle, aber auch eine verbindende, wie Gemeindebürgermeister Andreas Busch während der Feierstunde betont: „Die Lage der Gemeinde Lehre ist, wie sie ist. Sie verbindet die Landkreise Wolfenbüttel und Gifhorn sowie die Städte Braunschweig und Wolfenbüttel mit dem Landkreis Helmstedt. Lehre ist ein wichtiger Brückenkopf in der Region.“
Heute pflegt die Gemeinde Lehre ein gutes Verhältnis zum Landkreis Helmstedt: Die konstruktive Zusammenarbeit der Kommunen und des Landkreises miteinander und der Austausch untereinander steht dabei im Vordergrund. So arbeiten etwa die Kommunen Lehre und Königslutter am Elm auf Verwaltungsebene zusammen und teilen sich die Stelle eines Klimamanagers.
„Heute nach 50 Jahre Gemeinde Lehre im Landkreis Helmstedt haben viele ihren Frieden damit gemacht. Man erkennt durchaus an, dass Lehre in der Kreisstadt wahrgenommen wird und auch mitreden kann. Im Sport, bei den Feuerwehren und in der Kommunalpolitik wird dies gelebt, man trifft sich und tauscht sich aus“, weiß Andreas Busch aus Erfahrung zu berichten.
Am Anfang der 1970er Jahre, als es die Gemeinde Lehre in der heutigen Form noch gar nicht gab, war es für die Bewohnerinnen und Bewohner im Bereich Lehre eine turbulente Zeit mit vielen Umstrukturierungen.
1972 entstand beim ersten Teil der großen Gemeindereform die Einheitsgemeinde Lehre mit den acht Ortschaften. Auch davor hatte es viele Diskussionen gegeben: Der Bereich Lehre hatte über ein Jahrhundert lang zu Braunschweig gehört, Flechtorf wollte eigentlich Stadtteil von Wolfsburg werden und die Ortschaft Essenrode dagegen fühlte sich aufgrund ihrer geografischen Lage und historischer Verwurzelungen eher Gifhorn verbunden. Doch man wuchs mit der Zeit auf verschiedenen Ebenen immer mehr zusammen und heute leben die Menschen hier das Motto „Gemeinde Lehre – Gemeinsam besser.“
Der zweite Teil der Gemeindereform, die Zuordnung zum Landkreis Helmstedt 1974, stieß damals in der Bevölkerung auf noch größeren Widerstand als die Entstehung der Einheitsgemeinde zuvor.
Als Einwohner von Lehre und damaliger Kreisvorsitzender der FDP, kann sich Hartwig Möllenberg noch gut an die Diskussionen erinnern. Er hat sich damals klar für die Zuordnung Lehres zum Landkreis Helmstedt ausgesprochen. Neben einer Angliederung an den Landkreis Wolfenbüttel war auch die Zuteilung zum Landkreis Gifhorn im Gespräch. „Für die Menschen in der Gemeinde Lehre bestanden zu Gifhorn noch weniger Verbindungen als nach Helmstedt. Viele sind damals vielleicht sogar noch nie dort gewesen“, erklärt Möllenberg rückblickend, der heute Ratsältester im Gemeinderat Lehre ist.
Die räumliche Distanz von Lehre zu Helmstedt, das dreimal so weit weg ist wie Braunschweig, war früher schon ein Thema und beschäftigt die Bürgerinnen und Bürger auch heutzutage noch. Nicht nur, dass die Kreisstadt auch jetzt noch für viele schwer zu erreichen ist. „Damals hatte man auch die Befürchtungen, dass die Gemeinde Lehre, in so weiter Ferne von Helmstedt, dort bei Entscheidungen eher vergessen wird“, berichtet Möllenberg, der von 1984 bis 1991 selber Mitglied des Kreistages war.
Er selber befürwortete sowieso eine ganz andere Lösung: Braunschweig sollte eine Regionalstadt mit den fünf Außenbezirken Lehre, Cremlingen, Sickte, Wendeburg und Vechelde, werden. Doch die Landespolitik hat sich gegen dieses Modell entschieden.
Der Gemeinderat Lehre sprach sich also trotz aller Bedenken am 3. Oktober 1973 einstimmig für eine Zuordnung zu Helmstedt aus. Damit konnte auch die Selbstständigkeit der Einheitsgemeinde, anders als bei einer Zuordnung zu Braunschweig, erhalten werden. Dass Lehre dann zum Landkreis Helmstedt gehörte, wurde von der Bevölkerung angesichts der Alternativen Gifhorn oder Wolfenbüttel lange als „das kleinere Übel“ empfunden, wie Möllenberg es in einem Aufsatz zur Gemeindereform formulierte.
Bürgermeister Busch zieht am Ende seiner Rede zu diesem Jubiläum ein positives Fazit: „Machen wir das Beste daraus und reden wir unseren Landkreis nicht schlecht. Seien wir positiv und nehmen dieses Konstrukt an, das viele Vorteile bietet: vom Heeseberg bis zum Tierpark Essehof, vom Freibad Grasleben bis zur Velpker Schweiz. Unser Landkreis hat einiges zu bieten. Und das merken auch Menschen außerhalb, es tut sich was.“