Zwischen Quitten, Vorfreude aufs Fest und kleinen Traditionen

Adventsgrußwort von Bürgermeister Andreas Busch

Liebe Menschen in der Gemeinde Lehre,

wenn der Herbstwind ums Haus pfeift und die Tage kürzer werden, wird es bei uns zu Hause wieder gemütlich. Wenn das Laub sich färbt und der Kamin angefeuert ist, dann kann ich eigentlich die Uhr danach stellen, wann eine liebe Anfrage bei mir eintrifft, ob es auch in diesem Jahr wieder ein Grußwort für die Weihnachtsausgabe unseres Lehrscher Boten gibt.

Dann halte ich einen Moment inne und überlege, worum es in meinem Adventsgrußwort gehen soll. Und da treibt mich so einiges um. Aber ich möchte in diesem Jahr nicht allzu dienstlich sein, denn als nun auch schon Mittfünfziger, denke ich manchmal zurück. Ich habe Erinnerungen und manchmal auch das Gefühl, dass uns als Gesellschaft viele Dinge verloren gegangen sind. Das höre ich auch in Gesprächen mit anderen: Menschen vermissen Gewohnheiten, die früher selbstverständlich waren. Da steigen Erinnerungen auf, vielleicht an das gemeinsame Singen am Weihnachtsbaum, handgeschriebene Kärtchen oder an die langen Gespräche bei Kerzenschein.

Unsere Zeit ist schnelllebig geworden und wir werden immer hektischer und manches Alte scheint darin keinen Platz mehr zu haben. Aber nicht alles verschwindet. Vieles lebt fort – manchmal in kleinen Gesten, manchmal in neuen Formen. Jede und jeder hat wohl solche Traditionen, die man sich bewahrt. Sie müssen gar nicht streng nach Kalender gepflegt werden. Auch ich habe so eine kleine Tradition im Herbst, auf die ich zugegeben nicht in jedem Jahr gleichermaßen Lust habe.

In diesem Herbst habe ich wieder Quitten geschenkt bekommen – diese harten, wenig einladend wirkenden gelben Dinger. Als der Lehrscher Ortsbürgermeister Heinrich Köther und seine Frau Marina fragten, ob ich neun Kilogramm Quitten haben möchte, war meine Antwort erst: „Naja, vielleicht“. Beim zweiten Nachfragen wollten meine Lippen schon „Nein“ formen – heraus kam dann doch ein „Gut, ich nehme sie“. Und so standen die Quitten plötzlich vor unserer Haustür.

Beim Zubereiten Anfang November kam aber doch schnell die Lust zurück. Die Quitten wanderten in den Entsafter und später in die Einmachgläser. Und als der süße Duft durchs Haus zog, waren sie da: Diese Gefühle von Vertrautheit, Erinnerung, ein Stück Heimat und Beständigkeit. Die gute alte Zeit – zumindest ein kleines bisschen. Und ganz ehrlich: Der Anblick der goldenen Gläser im Regal macht einfach zufrieden. Es hat sich wieder gelohnt. So ist das mit vielen Traditionen: Vorher nerven sie manchmal ein bisschen, am Ende geben sie Halt und Freude. Und dann dieses frische Brot mit Butter und Quittengelee … köstlich. Ebenso schön ist es, die Gläser zu verschenken – an Familie, Freunde, liebe Menschen. Das ist meine kleine Tradition. Und ein bisschen ist es auch die Tradition derer, die mich durchs Leben begleiten.

Bald steht eine weitere Tradition an, auf die ich mich schon freue: Am dritten Samstag im Advent gehen wir mit befreundeten Familien gemeinsam frühstücken. Vielleicht nehme ich dem Team im Vin-Nett-Café (und natürlich auch im Autohofrestaurant in Wendhausen) auch ein Glas mit – als kleines Dankeschön dafür, dass sie immer da sind.

Ich habe den Eindruck, viele alte Gewohnheiten erobern sich gerade wieder ihren Platz in unserer modernen Welt. Menschen entdecken neu, wie zufrieden es macht, Dinge mit den eigenen Händen zu tun und Zeit miteinander zu verbringen. Familien kochen wieder ein, backen Plätzchen, basteln oder singen zusammen. Andere entdecken Sport, Bewegung oder Kreativität für sich. So wie bei unserem neu gegründeten Rathauslauftreff, bei dem sich Rathausbeschäftigte nach Feierabend zum Sport verabreden.

Vielleicht ist es genau das, was uns in dieser oft unruhigen Zeit gut tut: Sich auf das zu besinnen, was bleibt. Die eigenen Wurzeln zu behalten – auch mitten im Wandel. Für mich ist es das Quittengelee im Regal. Für andere vielleicht das Weihnachtslied, das jedes Jahr erklingt, oder das Familienfoto, das immer auf der Fensterbank steht. Bewahren Sie sich Ihre kleinen Traditionen. Sie tun einfach gut.

Ich wünsche Ihnen in Beienrode, Essehof, Essenrode, Flechtorf, Groß Brunsrode, Klein Brunsrode, Lehre und in Wendhausen in genau diesem Geiste allen eine friedvolle Adventszeit. Ich wünsche ein schönes Weihnachtsfest und viele kleine, glückliche Momente miteinander. Für das neue Jahr wünsche ich Ihnen vor allem Gesundheit und Zuversicht.

Ihr Bürgermeister

Andreas Busch