Für Nächstenliebe und Großherzigkeit geehrt

Anlässlich des vierten Ehrenamtstags standen in der Gemeinde Lehre erneut Menschen im Mittelpunkt, die das Motto „Gemeinde Lehre – Gemeinsam besser“ mit Leben füllen. Geehrt wurden auch Renate und Gebhard Höfer aus Lehre, deren jahrzehntelanges Engagement das Miteinander nachhaltig prägt. 

In einer bewegenden Laudatio würdigte Ortsratsmitglied Dr. Ommo Ommen das Engagement der Eheleute Höfer, das stellvertretend für eine Mitmenschlichkeit steht, die im Stillen wirkt, aber große Kreise zieht. „Es gibt Geschichten, die öffnen uns die Augen dafür, wie viel Menschlichkeit in unserer Mitte lebt“, betonte Dr. Ommen zu Beginn seiner Rede. 

Die Geschichte, die zur Auszeichnung der Höfers führte, begann im Jahr 2023 fast beiläufig vor der eigenen Haustür. Nachdem Gebhard Höfer einem jungen Mädchen namens Estelle beistand, das auf der Straße geärgert wurde, entstand ein erster Kontakt. Was mit geliehenen Büchern und gemeinsamen Leseübungen begann, mündete in der herzlichen Frage des Kindes an Renate Höfer: „Du bist so lieb wie eine Oma – willst du meine Oma sein?“ 

Heute sind die Höfers für Estelle, ihre Schwestern Sara und Christina sowie ihre Mutter Annick weit mehr als nur Unterstützer. Sie sind zu einer „Wahlfamilie“ zusammengewachsen. Ob bei der täglichen Hausaufgabenbetreuung, der Begleitung zu Schulen und Kindergärten in Kooperation mit dem Verein „Willkommen in Lehre“ oder dem gemeinsamen Feiern von Geburtstagen und Weihnachten – die Höfers schenken Geborgenheit und Struktur. „Es ist ein Zuwachs an Familie – nicht durch Geburt, sondern durch Herz“, fasst Dr.Ommo Ommen zusammen.

Ihre ehrenamtliche Tätigkeit empfindet Renate Höfer als bereichernd und sinnstiftend. Es mache Freude, positive Entwicklungen und Fortschritte im Lern- und Sozialverhalten zu erleben. Doch der Einsatz für die geflüchtete Familie von der Elfenbeinküste ist nur der jüngste Baustein eines lebenslangen Engagements. 

Dr. Ommo Ommen blickte in seiner Laudatio weit zurück: Renate Höfer wirkte über Jahre als Vorsitzende des Schulelternrats Flechtorf sowie im Gemeinde- und Kreiselternrat. Sie setzte sich erfolgreich ein für Sicherheitsmaßnahmen wie Feuertreppen, die Einrichtung des Schulkindergartens  und Verkehrsberuhigungen wie die „Kölner Teller“ vor der Oberschule. 

Gebhard Höfer zeigte immer dann Präsenz, wenn direkte Hilfe nötig war – sei es durch die großzügige Finanzierung von Schulranzen für bedürftige Kinder oder die Unterstützung eines älteren Herrn bei dessen Umzug in ein Seniorenheim. 

Neben der praktischen Hilfe vermitteln die Höfers Werte und Kreativität. Renate Höfer, selbst begeisterte Töpferin, teilt ihr handwerkliches Geschick in Kursen, während Gebhard Höfer durch seine zupackende Art Vorbild ist. Besonders beeindruckend: Sogar auf Reisen darf Estelle das Ehepaar inzwischen begleiten – ein Zeichen tiefen Vertrauens, das auch von den eigenen Kindern und Enkeln der Höfers mit Stolz unterstützt wird. 

Das Ehrenamt der Familie Höfer ist ein leuchtendes Beispiel für gelungene Integration. Es zeigt, dass Brücken zwischen Kulturen nicht nur durch Politik, sondern vor allem durch ein offenes Haus, gemeinsames Lernen und auch durch ein geteiltes Stück Kuchen gebaut werden.